Chronik

Der älteste Verein unserer Gemeinde besteht 100 Jahre !

Nachdem im 14. Jahrhundert viele Schützengesellschaften zur Verteidigung von Stadt und Dorf dienten, soll es in unserem Dorf um 1643 eine sogenannte Bürgerwehr auf dem alten Gut gegeben haben, leider fehlen die belegenden Urkunden. Die Tradition auf Scheiben und hölzerne Vögel zu schießen stammt aus dieser Zeit. In Not – und Kriegszeiten wurde sogar mit Stoffbällen auf Büchsen gezielt. Die jährlichen Feste – auch in unserem Dorf – wurden zu Volksbelustigungen. Dies war den „Obrigkeiten“, besonders den Pastoren, ein Dorn im Auge.

Über Verbote auf dem Gut – in Kirchnähe- zu feiern setzten sich die Schützen hinweg, in dem sie mit den Schießeinlagen ins Feld zogen und Bauernhöfe für die Feierlichkeiten wählten. Später waren die hohen Herren wieder milder gestimmt und es konnte beim Dorfwirt gefeiert werden. Gründer unseres Vereins war der Müller Josef Keute. Mitbegründer waren: Albert Berning, Georg Moddemann, Friedrich Moddemann, Heinrich Hagelskamp, Hermann Geisink, Bernhard Geisink, Bernhard Beckemper, Gebrüder Völker, Gerhard Becksvoort, Bernd Oldekamp und Wilhelm Gosejacob.

Im Frühjahr 1920 wurde eine Satzung entwickelt, da die Mitglieder ausschließlich dem Kirchspiel Brandlecht angehörten, bekam der Verein den Namen

Brandlechter Schützenverein.


Der Brandlechter Schießplatz wurde 1929 vom Vereinswirt G. Staelberg errichtet. Eine kleine Anzahl treuer Mitglieder konnte nur zögernd Anschaffungen tätigen, so kam es, dass die Fahnenweihe erst am 01. Juni 1930 stattfand. In Kriegszeiten war ein Vereinsleben kaum möglich, das Schießen diente militärischen Vorübungen und wurde nach der Besetzung des Reiches durch die Alliierten verboten.



Der Schützenverein unter dem Hakenkreuz (1933 - 1945)

Während der Nazizeit dienten Schießübungen bereits der militärischen Gründung, wurden Schießanlagen der Schützenvereine auch von den Einheiten der NSDAP, z.B. Sturmabteilung (SA) und Hitlerjugend (HJ) für Pflichtschießübungen genutzt, so auch in Brandlecht. Schützen- und Sportvereine unterstanden im 3. Reich dem Reichssportführer, der massiven Einfluss auf das Vereinsleben nahm, im Sinne einer Gleichschaltung und Ausrichtung auf die Inhalte und Ziele der NSDAP. Während dieser Zeit war der Verein zwangsläufig Mitglied des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen (DRL) und des Deutschen Schützenverbandes sowie deren Unterorganisationen. Wie aus zahlreichen Sitzungsprotokollen und verschiedenen Dokumenten des Schützenvereines aus dieser Zeit hervorgeht, bestimmten weitgehend die Nationalsozialisten nach dem Führerprinzip und nicht mehr die demokratisch gewählten Mitglieder das Vereinsgeschehen und mussten deren Genehmigung ablaufen. So erhielt z.B. der Schützenverein seine Anerkennung als Sportverein mit der Sportart "Schießen" (zur Körper- und Wehrertüchtigung des Volkes) erst nach Prüfung und Genehmigung der geänderten Satzung durch den zuständigen Beauftragten des Reichssportführers.



Wiederaufleben des Schützenvereins in Brandlecht nach dem 2. Weltkrieg



Das der Brandlechter Schützenverein die schwierige Kriegszeit überhaupt überstanden und das Vereinsleben sich in der Nachkriegszeit relativ schnell wieder normalisiert hat, hat der Verein dem mutigen Einsatz, der Opferbereitschaft und dem Pioniergeist seiner Mitglieder zu verdanken, insbesondere dem Vereinswirt Georg Staelberg für den Erhalt des Vereinseigentums und dem Kaufmann F. Moddemann für die kommissarische Weiterführung des Vereins während der Kriegswirren sowie den nachfolgenden Vereinsführungen und Mitstreitern (u.a. M. Weustink, K. Ostermann, Major Brinkmann, Schriftführer Exeler und Neesen sowie Kassierer Althuis), die unter schwierigsten Bedingungen, an die alten Schützentraditionen anknüpfend den Verein wieder voran brachten und z.T. für ihre langjährige Vereinstreue und ihre besonderen Verdienste um den Verein zu Ehrenfunktionären und Ehrenmitgliedern ernannt und ausgezeichnet worden sind.

Trotz des Verbots des Schusswaffengebrauches in Deutschland durch die Alliierten (Potsdamer Abkommen) nach der Besetzung fand bereits 1947 das 1. Schützenfest der Nachkriegszeit in Brandlecht statt. Da Not bekanntlich erfinderisch macht, wurde der König durch Werfen mit selbstgebastelten Stoffbällen auf Büchsen ermittelt. Die meisten Treffer erzielte hierbei der Schützenbruder Johann Kronemeier, der somit als 1. Nachkriegskönig proklamiert wurde und Fräulein Inge Ostermann zur Königin wählte. Dieses 1. Nachkriegsschützenfest im Sägewerk Haverkamp am Bahnhof wurde mit der Kapelle "Willi Böing und seinen Mannen" für 50 Eier (1948 vor der Währungsreform) groß gefeiert und dürfte vielen Teilnehmern unvergessen geblieben sein, nach all den Ängsten und Sorgen vergangener Jahre. Auf den nachfolgenden Schützenfesten wurde in der Übergangszeit mit der Armbrust, d.h. mit Pfeil und Bogen, geschossen. Danach in alter Tradition wieder mit dem Gewehr.



Da das 25-jährige Jubelfest wegen Kriegseinwirkungen nicht gefeiert werden konnte, wurde es 1950 nachgeholt. Das Treffen fand unterhalb des Ehrenmals auf dem Hof des Vereinsvorsitzenden Marinus Weustink mit mehreren Brudervereinen statt.

1953 wurde zum Schützenfest erstmalig ein Zelt aufgebaut.

1976 wurde mit der Herrichtung eines eigenen Festplatzes und einer Toilettenanlage begonnen. 1977 wurde der Festplatz für 30 Jahre vom Grafen Droste zu Vischering gepachtet.

Die Aktivitäten des Schützenvereins wurden umfangreicher. Es wurden Schiesswettbewerbe durchgeführt und Einladungen von Gastvereinen gefolgt. Zunächst noch im Keller der Brandlechter Turnhalle wurde dann im Vereinslokal Neesen ein Schießstand errichtet. Seit 1983 wird nach den Regeln des Grafschafter Schützenbundes geschossen.

1995 wurde unter Beteiligung von 23 Brudervereinen das 75-jährige Vereinsjubiläum gefeiert. Das Königspaar begleitete den Umzug in einer alten historischen Kutsche.



Im Jahre 1995 – anlässlich des 75-jährigen Vereinsjubiläums – traten viele aktive Frauen in den Schützenverein Brandlecht ein. Am Winterfest präsentierten sie sich erstmals in grünen Westen und nahmen fortan an den Märschen und öffentlichen Auftritten des Vereins teil. Eine Teilnahme am Königsschießen ist noch nicht möglich, hierzu bedarf es einer Satzungsänderung.

Die Damenschießgruppe ist bis heute eine sehr starke und sehr aktive Schießgruppe, die aus dem Vereinsleben nicht mehr wegzudenken ist. In den folgenden Jahren nahmen die Damen- und Herrenschießgruppen an einer Vielzahl von Wettkämpfen und Veranstaltungen erfolgreich teil. Auch außerhalb des Schießsports treffen sich die Gruppen zu diversen Veranstaltungen wie z. B. Kloatscheeten, Kutschfahrten, Fahrradtouren etc., die den Zusammenhalt fördern.

Auch der Veranstaltungskalender wuchs in den Jahren. So kamen das Stadtschützenfest aller Nordhorner Schützenvereine seit 1991 - alle fünf Jahre - und das Brandlechter Oktoberfest, was von allen Brandlechter Vereinen alle drei Jahre auf dem Schützenplatz seit 1998 veranstaltet wird, dazu.

Es gab in der 100-jährigen Geschichte des Schützenvereins Brandlecht einige Vorstände. Auf eine 30-jährige ununterbrochene Vereinsführung (1971 bis 2001) kann Heinrich Foppe zurückblicken und wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Im Jahre 2002 wurde die Spielgemeinschaft Brandlecht-Frenswegen gegründet, bestehend aus dem Spielmannszug „In Treue Fest“ – zugehörig seit 1977 zum Schützenverein Brandlecht - und dem Spielmannszug Frenswegen – zugehörig seit 1929 zum Schützenverein Kloster Frenswegen -.

Im Jahre 2004 startet der Schützenverein Brandlecht seinen Internetauftritt in Form einer eigenen Homepage www.schuetzenverein-brandlecht.de. Die Homepage wurde durch Andre Kronemeier ins Leben gerufen und ist bis heute der Infopunkt für alle Mitglieder und Nichtmitglieder.

Für das Königsschießen auf dem Schützenplatz wurden im Jahr 2004 die Sicherheitsbestimmungen verschärft. Das Schießen ohne Kugelfang war nicht mehr erlaubt und der Verein musste einen Kugelfang anschaffen, um den neuen Sicherheitsbestimmungen für das Schießen gerecht zu werden.

In den folgenden Jahren hat sich der Verein an diversen Veranstaltungen der weiteren Dorfvereine, wie Spiele ohne Grenzen und Bauernmarkt usw. beteiligt.

Im Jahre 2009 hat der Verein am dem 50-jährigen Jubiläumsfest des Sportvereins Brandlecht-Hestrup teilgenommen.

Im gleichen Jahr wurde der heutige Bogen auf dem Schützenplatz errichtet. Dieser wurde von Helmut Wilmink gesponsort.

Die Gaststätte Moddemann/Neesen war von 1968 bis 2013 Vereinslokal des Schützenvereins Brandlecht. In den Jahren bis 1968 und in den Jahren von 2014 bis 2018 war die Gaststätte Staelberg-Veldboer Vereinslokal des Vereins.

Seit dem Jahre 2014 findet das Schützenfest am Mittwoch, Donnerstag, Freitag über Himmelfahrt statt.

Im Jahre 2014 wurden grundlegende Erneuerungen und Verschönerungen am Schützenplatz vorgenommen, z. B. die Garagen, die Bäume etc. Wie auch in den Jahren zuvor sind schon immer Verschönerungsarbeiten auf dem Platz erfolgt.

Heute blicken wir auf eine erfolgreiche 100-jährige Vereinsgeschichte zurück und freuen uns auf die den Herausforderungen der nächsten 100 Jahre.